Das 2. Lichtloch des Rothschönberger Stollns.
Schachthaus und Halde des VIII. Lichtlochs vom Rothschönberger Stolln.
Karte der Tagesanlagen des VIII. Lichtlochs im Jahr 1876.
(Auszug aus [A1]; Constantin von Steindel; Eingefärbt und modifiziert für
bessere Lesbarkeit)
Zeitgenössischen Darstellung der Tagesanlagen des VIII. Lichtlochs des Rothschönberger Stollns.
(Original: Illustrirte Zeitung; No 1821; 25. Mai 1878, [2])
Das man in Halsbrücke neben dem VII. Lichtloch noch ein weiteres benötigen würde, schien schon frühzeitig klar zu sein. Doch hoffte man zunächst den St. Lorenz Kunst- und Treibeschacht als VIII. Lichtloch zu verwenden [7].
Erst später zeigte sich, dass ein eigenständiges Lichtloch an anderer Stelle notwendig werden würde. Das heutige VIII. Lichtloch wurde nachträglich projektiert, da man in Halsbrücke auf wasserführende Klüfte stieß. Erst im Jahr 1865 begann man mit dem Abteufen des Schachts. Die Halde mit dem Schachthaus ist weithin sichtbar am Südhang des Sandberges nördlich der Freiberger Mulde in Halsbrücke gelegen.
Mit dem Bau des Schachthauses wurde erst begonnen, nachdem der Schacht vollständig abgeteuft war und der Stollenvortrieb begonnen hatte. Das Baujahr liegt vermutlich zwischen 1870 und 1873, denn es existieren Zeichnungen eines geplanten kleinen Dampfgöpelhauses mit angeschlossenem Kesselhaus und dahinterliegendem Schornstein aus dem Jahr 1870, die sich deutlich von dem tatsächlich errichteten Gebäude unterscheiden.
Man entschied sich für ein mit Wasser mittels Turbine angetriebenes Kunstgezeug und baute ein vergleichgsweise kleines Treibehaus. Das Gebäude wurde auf einer ungefähr 5 Meter hohen Schachtaufsattelung errichtet. Diese wurde nicht vollständig von der Halde umschlossen. Ihr nördliche Teil blieb frei. Dort sollte 1874 direkt am Fuße der Schachtaufsattelung ein hölzernes Maschinenhaus für die 12 KW starke Lokomobile einer Hilfskunst errichtet werden. Daneben baute man noch einen Kohleschuppen.
Der Baustil unterscheidet sich von dem der anderen Lichtlöcher. Das Treibehaus war eine Fachwerkhaus mit einem Turmartigen Überbau über dem Schacht in dem sich die Seilscheiben der Förderanlage befanden. Neben dem Schachthaus ist heute noch die Kaue der ehemaligen Zimmermannswerkstatt und das Huthaus erhalten geblieben.
Wassereinbrüche in den Rothschönberger Stolln ließen die Brunnen in Halsbrücke versiegen, wodurch der Einbau einer Wassersäulenmaschine zur Gewährleistung der Trinkwasserversorgung des Ortes notwendig wurde. Diese Wassersäulenmaschine ist heute im Maschinenhaus der Grube Alte Elisabeth ausgestellt.
Beginn des Schachtabteufens
Stollnvortrieb nach Nordwesten und Süden beginnt
Starke Wasserzuflüsse und Mangel an Aufschlagwässern führen zu Einstellung des Stollvortriebs der Stollnörter in Nord und Südrichtung. [6a]
Verstärkung des Turbinenkunstgezeugs mit weiteren Kunstsätzen. [6b]
Installation einer Lokomobilenkunst mit 16 PS und Installation eines Hilfsgezeuges daran. [6b]
Ab 07.02.1876 Einsatz von Druckluftbohrmaschinen
Durchschlag zum Gegenort des VII. Lichtlochs am 08.08.1876
21.12.1876 Stollnvortrieb in die alten Abbaue im Halsbrücker Spatgang
21.03.1877 Durchschlag zwischen dem fiskalischen Stolln und dem, von der Grube Oberes Neues Geschrei vorgetriebenen Gegenort des Revierstollns. (255,7 m südlich des VIII. Lichlochs.)
12.04.1877 Fertigstellung des Durchschlags. Vollendung des fiskalischen Teils des Rothschönberger Stollns durch Anschluß der Gruben des Freiberger Reviers.
Betrieb eines Wassersäulenmaschine für die Wasserversorgung. [5a]
Abbruch der Kesselschuppen. [4a]
Verlängerung der Kaue um das doppelte (fragwürdig). [4a], [5a]
Abbruch des originalen Treibehauses und Errichtung eines originalgetreuen Nachbaus.[4a]
Ein Hochwasser der Freiberger Mulde führt zu Schäden und Verbrüchen im Rothschönberger Stolln im Bereich des VIII. Lichtlochs.
Ein Brand zerstört Nebengebäude, darunter den aus der Bauzeit erhaltenen Kohleschuppen. Das Treibehaus wird beschädigt. [4a]
Künstlerische Darstellung von Treibe-, Maschinenhaus und Kohleschuppen VIII. Lichtlochs des Rothschönberger
Stollns um 1875.
(Ingo Berg, Lizenz: CC BY-NC-ND)
Der Betrieb sollte von Beginn an mit Gestellförderung erfolgen. Dafür wollte man nach Planungen aus dem Jahr 1870 ein Dampfgöpelhaus mit Dampfhaspel errichten [A5], [A6].
Dampflokomobile im Freilichtmuseum des Schlosses Blankenhain.
Ortsveränderliche Dampfmaschinen dieser Bauart waren Ende des 19. Jahrhunderts bis
hinein ins 20. Jahrhundert weit verbreitet. Es waren Vorläufer der Dampftraktoren ohne Eigenantrieb.
Eine ähnliche Bauart fand im VIII. Lichtloch Verwendung. (Foto: André Karwath; Lizenz: CC BY-SA 2.5; Originalquelle: Wikimedia Commons )
Zu den Tagesgebäuden am VIII. Lichtloch gehörten neben dem Schachthaus, ein Huthaus, eine Kaue mit Zimmerschuppen, ein Pulverhaus, sowie eine Maschinenhaus mit angeschlossenem Kohleschuppen. Erhalten geblieben sind das Huthaus und die Kaue der ehemaligen Zimmermannswerkstatt (Bild ?). Das Treibehaus ist heute ein Nachbau des Originalgebäudes aus den 1990 Jahren (Bild ?).
Zur Betriebszeit des Lichtlochs gab es anstelle des heutigen Aufgangs über die Halde einen hölzernen Laufsteg der vom Vorplatz vor der Halde zum Eingang des Schachthauses auf derselben führte. (Bild ?)
Die Wasserhaltung erfolgte zunächst mit einer unterirdisch installierten Schwamkrugturbine. Diese wurde 1874 infolge starker Wasserzuflüsse mit einer Lokomobile ergänzt. Das war ein Typ von kleiner, kompakter Dampfmaschine, welche komplett mit Kessel auf einem Fahrgestell montiert war (Bild ?). Vor Ort wurde diese in einem, am Fuße der Schachtaufsattelung des Treibehaus errichteten Maschinenhaus fest installiert.
Direkte daneben befand sich ein hölzerner Kohleschuppen, der offenbar das Originalgebäude war, welches am längsten erhalten bleiben sollte. Er wurde jedoch bei einem Feuer im Jahr 2003 ein Raub der Flammen und seitdem ist der Platz vor der Schachtaufsattelung unbebaut.
Anlagszeichnung des Maschinenhauses für die Lokomobile der Hilfskunst. Diese sollte die
Turbinenkunst ergänzen um die unerwartet hohen Wassermengen abzuführen und weitere
Betriebsunterbrechungen durch Mangel an Aufschlagwässern wie im Jahr 1874 vermeiden.
(Zeichnung H. R. Kunis; Juni 1874; [A2])
Im Jahr 1876 wurden beim Stollenvortrieb im Bereich des VIII. Lichtlochs durch Modellmeister Carl Gottfried Schumann erste Versuche mit druckluftgetriebenen Bohrmaschinen durchgeführt [1]. Zu einem flächendeckenden Einsatz der neuen Technologie sollte es jedoch erst im 19. Jahrhundert kommen.
Das VIII. Lichtloch dient heute als Abluftwetterschacht für den Rotschönberger Stollen. Dazu wurde das Dach des Schachthauses geöffnet. An kalten Wintertagen kann über dem Dach die Bildung von Wasserdampf durch Kondensation der warmen, feuchten Grubenluft beobachtet werden.
In [4a] und [5a] wird erwähnt, dass die Kaue im Jahr 1938 um das doppelte verlängert wurde. Die Kaue ist in einer Vielzahl von historischen Fotos, Zeichnungen und Markscheiderischen Probeaufnahmen abgebildet (z. Bsp: Bild ? von 1876). Auch in den Abbildungen von vor 1938 hat sie schon das Aussehen bzw. die Dimensionen von heute (z. Bsp.: [A3], [A4]). Solange mir Primärquellen fehlen, welche die Verlängerung der Kaue belegen gebe ich diese Information unter Vorbehalt weiter, halte sie aber für zweifelhaft.
Der Zeichner hat sich hier einige künstlerische Freiheiten genommen. So hat das Treibehaus direkt über dem Schacht einen Schornstein. In der Realität dürfte das ein Blitzableiter gewesen sein [A3], [A4]. Die Perspektive des Schachthauses passt nicht zur Perspektive des Maschinenhauses und auch der Kohleschuppen hat einen Schornstein. Dieser sieht in der Zeichnung auch anders aus als auf historischen Fotos. Es ist jedoch möglich, dass er später umgebaut wurde. Andere Details werden durch weitere Quellen belegt. Der Hölzerne Aufgang zum Schachthaus ist auch in zwei Markscheiderischen Probearbeiten abgebildet. Die Form des Maschinenhauses, die Position von dessen Tür sowie Anzahl und Position der Fenster stimmen jedoch mit der Anlagenzeichnung überein. (Bild ?)
Foto aus dem Jahr 2011. Blick auf Schachthaus und Kaue. Nach der Widererichtung des Schachthauses
im Jahr 1990 wurde dieses zunächst in Fachwerkbauweise rekonstruiert. Das Fachwerk wurde
zwischenzeitlich wieder entfernt und eine Holzverkleidung angebracht.
Luftbild des VIII. Lichtlochs. Gut zu erkennen ist das offene Dach welches der Verwendung des Lichtlochs als Wetterschacht geschuldet ist.
Schachthaus des VIII. Lichtloches in Halsbrücke.
Kaue der ehemaligen Zimmermannswerkstatt des VIII. Lichtlochs in Halsbrücke.